Gerade im Winter erscheint ein Haus ohne Heizung in unseren Breitengraden als reine Utopie. Doch die energiesparenden Passivhäuser kommen tatsächlich fast gänzlich ohne Heizung aus.
Kaum Fenster an Nord-und Ostseite
Passivhäuser sind leicht an der Anordnung ihrer Fenster zu erkennen: wenig Fensterfläche auf der Nord und Ostseite, viele Fenster hingegen auf der Südseite. Das hat seinen Grund: Die Sonnenstrahlen sollen die Luft im Innern des Hauses erwärmen, sie sind die wichtigste Heizquelle für ein Passivhaus. Passivfenster lassen über die Jahresbilanz gesehen mehr Wärme in das Rauminnere, als sie an Heizwärme verlieren. Auch Lampen, elektrische Geräte und die Bewohner selbst sind Wärmequellen, die man nicht unterschätzen sollte.
Ganz ohne Zusatzheizung kommt allerdings auch ein Passivhaus nicht aus. Doch die Heizkosten sind gering: Ein kleiner Holzofen oder eine Wärmepumpe reichen vollkommen aus. Sie werden aber in einem Passivhaus nur dann in Betrieb genommen, wenn die Solaranlage auf dem Süddach an sonnenarmen Tagen nicht genügend Heizenergie liefert.
Oliver Jirka [Architekt]: Die Heizkostenersparnis wiegt die Mehrkosten beim Bau eines Passivhauses auf.
Lüftungsanlage mit Wärmetauscher Die Schlüsselfunktion in einem Passivhaus nimmt die Lüftungsanlage ein. Damit im Winter keine Wärme über geöffnete Fenster verloren geht, wird die Luft durch eine Anlage ausgetauscht. Innenluft wird abgesaugt und Außenluft wird in die Räume gebracht. Ein Wärmetauscher in der Lüftungsanlage erwärmt mit der Abluft die zuströmende Frischluft zu 90 % bevor sie das Hausinnere erreicht. Die fehlenden 10 % werden durch die Warmwasseranlage ergänzt. Damit ist der Wärmebedarf des Hauses extrem gering.
Die vielen Fenster der Südseite erwärmen das Hausinnere
Sehr geringe Energiekosten Bei normaler Nutzung benötigt ein Passivhaus jährlich nicht mehr als 1,5 Liter Öl pro Quadratmeter Wohnfläche. Im Vergleich: Selbst Niedrigenergiehäuser verbrauchen 6 – 10 Liter Öl/m². Doch das hat seinen Preis. Die extrem gut gedämmten Gebäude kosten gut 8 - 10 Prozent mehr als ein "normales" Architektenhaus. Doch betrachtet man die eingesparten Energiekosten, ist ein Passivhaus günstig. Passivhäuser überzeugen auch in punkto Wohnqualität. Einer Studie der Uni Kassel zufolge fühlen sich Passivhausbewohner in ihren eigenen vier Wänden besonders wohl. Die Lüftungsanlage wird nicht als Beeinträchtigung empfunden – im Gegenteil, durch den Energieaspekt stehen die Bewohner dem Haus sehr positiv gegenüber.
Marktbeobachter erwarten, dass bis zum Jahre 2010 jedes fünfte neu gebaute Haus ein Passivhaus sein wird. Denn passiv bauen bedeutet, die Umwelt aktiv zu schützen.